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Mi, 11:50 Uhr
24.10.2012

Zeitzeuge befragt

Schülerinnen der Käthe-Kollwitz-Regelschule in Nordhausen waren in diesen Tagen als Interviewer unterwegs. Ein Ziel war das Nordhäuser Rathaus. Dort befragten sie den Oberbürgermeister...

Befragt (Foto: P. Grabe) Die vier Schülerinnen befragten Dr. Zeh als Zeugen der Zeitgeschichte.

" 'Wir brauchen Freiheit wie die Luft zum Atmen´ - dieser Satz von Gorbatschow hatte mir damals aus dem Herzen gesprochen und er war für mich das Signal, mich Ende der 1980-er Jahren endgültig und aktiv in der DDR-Bürgerbewegung zu engagieren. So bin ich zur Politik gekommen.“ Das sagte jetzt Nordhausens Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh (CDU) bei einem Interview mit Schülerinnen der Klasse 10a der „Käthe-Kollwitz-Schule“ zum Thema „Nordhausen im Spiegel der Geschichte von 1900 bis heute.“ Stephanie Richter, Franziska Heddergott, Michelle Booch und Anika Kleemann waren ins Rathaus gekommen, um Dr. Zeh als Zeugen der Zeitgeschichte zu befragen.

Das Spektrum seiner Tätigkeiten vor dem Politiker-Leben sei breit gewesen, sagte Dr. Zeh. Er habe beim Studium unter anderem Straßenbahnen in Dresden („das hat enorm Spaß gemacht“) gefahren, Kohlen geschippt und im Theater gearbeitet. „So habe ich Einblick in viele Milieus gehabt, Menschen unterschiedlichster Prägung kennengelernt und im Sinne des Wortes mit meiner Hände Arbeit Geld verdienen müssen. Das sind interessante und auch hilfreiche Erfahrungen für meine späteren Tätigkeiten in der Politik gewesen “, so der Oberbürgermeister.

Die Zeiten in der DDR habe er in bestimmten Phasen als sehr bedrückend empfunden. „Mit meiner Meldung als Bausoldat war der Gipfel erreicht: Man verwehrte mir die Promotion. Im Betrieb, in dem ich damals arbeitete, fühlte ich mich von einigen Vorgesetzten wie ein Aussätziger behandelt. Das war eine schlimme Erfahrung, demütigend. Deshalb war für mich der Herbst 1989 wie eine große Befreiung, und deshalb habe ich mich im `Demokratischen Aufbruch´ engagiert: Ich wollte die Demokratie aktiv mitgestalten“, so Dr. Zeh.

Die unmittelbare Zeit nach der Wende sei insbesondere für Nordhausen eine schwierige gewesen. „Nordhausen gehörte zu DDR-Zeiten zu den industriellen Schwerpunkten im Bezirk Erfurt, lebte von den großen strukturbestimmenden Betrieben wie IFA, Schachtbau, Nobas; Nortak, RFT und andere, die teilweise sogar die einzigen Hersteller bestimmter Produkte für ganz Osteuropa waren. Viele dieser Betriebe standen plötzlich aus verschiedenen Gründen vor dem Aus. Tausende Menschen waren ohne Arbeit. Das war tragisch. Und zehn Jahre später dann über Nacht das `Aus´ für die Zigarettenproduktion durch Reemtsma. Das hat noch mal geschmerzt, weil eine weitere Nordhäuser Tradition zu Ende ging“, so Dr. Zeh.

Deshalb setze er bei seiner Arbeit als Oberbürgermeister einen Schwerpunkt bei der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt, bei der Schaffung von Arbeitsplätzen „und da sehe ich Nordhausen auf einem sehr guten Weg. Wir stehen auf einer breit gefächerten Wirtschaftsstruktur, die der Stadt eine gewisse Stabilität verleiht. Und mit der Fertigstellung des Industriegebiets eröffnen sich neue Potenziale und damit auch Lebensperspektiven vor allem für junge Menschen.“

Ebenso prägend sei für seine Arbeit die Nordhäuser Erfahrung der Zerstörung der Stadt im April 1945, „die vor für die Zeitzeugen traumatisch war. Deshalb gehört es zu den guten und richtigen Kontinuitätslinien, die kollektive Erinnerung an die Ursachen für die Zerstörung pflegen, die Jüngeren zu mahnen und der Opfer zu gedenken. Dies gilt insbesondere auch für das frühere Konzentrationslager „Mittelbau-Dora“, dessen Opfer und dessen Überlebende“, so der Oberbürgermeister.
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