Mo, 14:18 Uhr
21.05.2012
Katzenelend und eine ratlose Stadt
Eine von Menschen verursachte Erscheinung: Etwa 200 verwilderte Stubentiger streunen in Nordhausen derzeit herum. Das Beispiel der Stadt Paderborn hält Bürgermeister Matthias Jendricke für nicht übertragbar. Tierschutz Nordhausen beugt unkontrollierte Vermehrung mit eigenen Mitteln vor. Kurt Frank recherchierte für die nnz...
Katja Kolbe blutete das Herz, als sie ihn sah. Nero bot einen jämmerlichen Anblick. Verletzt und abgemagert war er, zerzaust sein Fell. Heute lebt der schwarze Kater zutraulich und zufrieden im Haus des Tierschutzvereins am August-Bebel-Platz, das die 42-Jährige leitet. Grausam, sagt sie, wie gewissenlose Menschen mit Tieren umgehen.
Auf ihre Art werden nicht nur Katzen entsorgt: Irgendwo im Wald, im Gebüsch, in Straßengräben, in Säcke gepackt. Oder im Karton, wie die fünf kleinen Kätzchen. Noch mit Nabelschnur behaftet, hatte man die Pappschachtel vor dem Objekt am Bebelplatz einfach abgestellt.
Auf einer Wohnraumfläche von 130 Quadratmetern finden im Nordhäuser Tierschutz-Objekt auf drei Etagen derzeit 40 Katzen im Alter von sieben Monaten bis elf Jahren ein liebevolles Zuhause. 32 Tiere konnten in diesem Jahr schon vermittelt werden, freut sich die engagierte Tierschützerin Kolbe. Alle geimpft, entwurmt, kastriert oder sterilisiert. Doch immer wieder kommen neue Fälle hinzu: Wie das kleine herzerweichend miauende Kätzchen, das Tierfreunde dieser Tage auf einem Rasenstreifen beim Marktkauf fanden.
Zumeist leben sie im Verborgenen. Hundertfach. In Kleingärten, Parks, Hinterhöfen. Katja Kolbe und andere Tierschützer schätzen, dass allein im Stadtgebiet von Nordhausen etwa 200 verwilderte Katzen derzeit streunen. Viele wurden ausgesetzt, andere in der Wildnis geboren. Auch in diesem Frühjahr wird es wieder Würfe mit Katzenwelpen geben. Vorprogrammiertes Katzenelend. Mit Krankheiten, Hunger und Verwahrlosung.
Das Problem der ansteigenden Population frei lebender Katzen ist der Stadtverwaltung bekannt. Da wir eine unkontrollierte Vermehrung verwilderter Katzen verhindern wollen, ist das Fütterungsverbot wieder in die Nordhäuser Stadtordnung aufgenommen worden. Ausnahmegenehmigungen können auf Antrag erteilt und mit Nebenbestimmungen (Kastrationspflicht) versehen werden, schreibt Bürgermeister Matthias Jendricke. Der Hungertod vieler Tiere wird die Folge sein.
Dass es zu keiner ungebremsten Populationsentwicklung kommt, ist vor allem Tierschützern wie Katja Kolbe und ihren Helfern zu danken. Im Stadtgebiet und Umfeld wurden in den letzten Jahren über 200 Katzen sterilisiert oder kastriert, informiert die gelernte Tierwirtin, die heute als qualifizierte medizinische Fachangestellte arbeitet. Ihr Engagement ist umso höher zu bewerten, bedenkt man die Kosten für eine Sterilisation (100 Euro) oder Kastration (75 Euro) und die Tatsache, dass sich der Tierschutz Nordhausen selbst finanziert. Mit Vermittlungsgebühren, Pensionsgeldern, Spenden und Sponsoren. Und Scheinen aus dem eigenen Portemonnaie.
Katja Kolbe lobt das Beispiel der Stadt Paderborn, wo man eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für frei laufende Katzen in die Stadtordnung aufnahm. Der dafür zuständige Sachgebietsleiter Karl-Heinz Burchmeister machte bisher mit der neuen Verordnung nur gute Erfahrungen, ließ er auf Anfrage wissen. In der örtlichen Presse, dem regionalen Fernsehen, im Rundfunk, auf Flyern und in Zusammenarbeit mit Veterinärbehörden, Tierärzten und Tierschutzverbänden machen wir auf das Problem aufmerksam, klären auf, zeigen Lösungswege, erklärt der Paderborner.
In Nordhausen ist man laut Jendricke hingegen der Meinung, dass eine solche Regelung durch eine speziell tierschutzrechtliche Verordnung nach dem Tierschutzgesetzt (wie in Österreich) erfolgen müsste, nicht durch eine ordnungsbehördliche Vorschrift. Fakt bleibt: Katzenelend ohne Ende. Einer Problemlösung dienlicher wäre in der Rolandstadt auch ein engagierteres Miteinander der einzelnen Tierschutzverbände einschließlich Tierheim.
Die engagierte Tierschutzleiterin und ausgebildete Tierschutzberaterin Katja Kolbe mit den Geschwistern Tilly und Tyler, mit sieben Monaten die jüngsten Heimbewohner im Katzenhaus.
Text und Foto: Kurt Frank
Autor: nnzKatja Kolbe blutete das Herz, als sie ihn sah. Nero bot einen jämmerlichen Anblick. Verletzt und abgemagert war er, zerzaust sein Fell. Heute lebt der schwarze Kater zutraulich und zufrieden im Haus des Tierschutzvereins am August-Bebel-Platz, das die 42-Jährige leitet. Grausam, sagt sie, wie gewissenlose Menschen mit Tieren umgehen.
Auf ihre Art werden nicht nur Katzen entsorgt: Irgendwo im Wald, im Gebüsch, in Straßengräben, in Säcke gepackt. Oder im Karton, wie die fünf kleinen Kätzchen. Noch mit Nabelschnur behaftet, hatte man die Pappschachtel vor dem Objekt am Bebelplatz einfach abgestellt.
Auf einer Wohnraumfläche von 130 Quadratmetern finden im Nordhäuser Tierschutz-Objekt auf drei Etagen derzeit 40 Katzen im Alter von sieben Monaten bis elf Jahren ein liebevolles Zuhause. 32 Tiere konnten in diesem Jahr schon vermittelt werden, freut sich die engagierte Tierschützerin Kolbe. Alle geimpft, entwurmt, kastriert oder sterilisiert. Doch immer wieder kommen neue Fälle hinzu: Wie das kleine herzerweichend miauende Kätzchen, das Tierfreunde dieser Tage auf einem Rasenstreifen beim Marktkauf fanden.
Zumeist leben sie im Verborgenen. Hundertfach. In Kleingärten, Parks, Hinterhöfen. Katja Kolbe und andere Tierschützer schätzen, dass allein im Stadtgebiet von Nordhausen etwa 200 verwilderte Katzen derzeit streunen. Viele wurden ausgesetzt, andere in der Wildnis geboren. Auch in diesem Frühjahr wird es wieder Würfe mit Katzenwelpen geben. Vorprogrammiertes Katzenelend. Mit Krankheiten, Hunger und Verwahrlosung.
Das Problem der ansteigenden Population frei lebender Katzen ist der Stadtverwaltung bekannt. Da wir eine unkontrollierte Vermehrung verwilderter Katzen verhindern wollen, ist das Fütterungsverbot wieder in die Nordhäuser Stadtordnung aufgenommen worden. Ausnahmegenehmigungen können auf Antrag erteilt und mit Nebenbestimmungen (Kastrationspflicht) versehen werden, schreibt Bürgermeister Matthias Jendricke. Der Hungertod vieler Tiere wird die Folge sein.
Dass es zu keiner ungebremsten Populationsentwicklung kommt, ist vor allem Tierschützern wie Katja Kolbe und ihren Helfern zu danken. Im Stadtgebiet und Umfeld wurden in den letzten Jahren über 200 Katzen sterilisiert oder kastriert, informiert die gelernte Tierwirtin, die heute als qualifizierte medizinische Fachangestellte arbeitet. Ihr Engagement ist umso höher zu bewerten, bedenkt man die Kosten für eine Sterilisation (100 Euro) oder Kastration (75 Euro) und die Tatsache, dass sich der Tierschutz Nordhausen selbst finanziert. Mit Vermittlungsgebühren, Pensionsgeldern, Spenden und Sponsoren. Und Scheinen aus dem eigenen Portemonnaie.
Katja Kolbe lobt das Beispiel der Stadt Paderborn, wo man eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für frei laufende Katzen in die Stadtordnung aufnahm. Der dafür zuständige Sachgebietsleiter Karl-Heinz Burchmeister machte bisher mit der neuen Verordnung nur gute Erfahrungen, ließ er auf Anfrage wissen. In der örtlichen Presse, dem regionalen Fernsehen, im Rundfunk, auf Flyern und in Zusammenarbeit mit Veterinärbehörden, Tierärzten und Tierschutzverbänden machen wir auf das Problem aufmerksam, klären auf, zeigen Lösungswege, erklärt der Paderborner.
In Nordhausen ist man laut Jendricke hingegen der Meinung, dass eine solche Regelung durch eine speziell tierschutzrechtliche Verordnung nach dem Tierschutzgesetzt (wie in Österreich) erfolgen müsste, nicht durch eine ordnungsbehördliche Vorschrift. Fakt bleibt: Katzenelend ohne Ende. Einer Problemlösung dienlicher wäre in der Rolandstadt auch ein engagierteres Miteinander der einzelnen Tierschutzverbände einschließlich Tierheim.
Die engagierte Tierschutzleiterin und ausgebildete Tierschutzberaterin Katja Kolbe mit den Geschwistern Tilly und Tyler, mit sieben Monaten die jüngsten Heimbewohner im Katzenhaus.
Text und Foto: Kurt Frank



