Wer hofft nicht auf Investoren?
Montag, 08.Februar 2010, 17:09 Uhr
Der Sachstand des Industriegebietes Goldene Aue gehörte in der vergangenen Woche zu den Themen des Nordhäuser Stadtrates. Und war auch neulich Thema in einer Vorstadtssitzung des NUV. Dazu die folgende Betrachtung...
Im Stadtrat referierte nach einem Bericht der nnz vom 03.02. Dr. Sabine Riebel zu diesem Thema, das eigentlich seit Beginn ein Problem in vielfacher Hinsicht darstellt. Und abgesehen von den planerischen Gegebenheiten und Notwendigkeiten – einschließlich des Schicksals einiger dort lebender Hamster – scheint man mit der weltweiten Investorenwerbung nicht recht voranzukommen.
Der Appell Dr. Riebels an die Volksvertreter vielleicht aber auch haben die Stadträte ja Bekannte und Verwandte und die kennen vielleicht jemand in den Chefetagen bei Siemens und Co., lässt eine ziemliche Ratlosigkeit, jedenfalls aber Unprofessionalität erkennen (falls ihr diesbezügliches Bemerken überhaupt ernst gemeint war.)
Zeitnah dazu tagte der Vorstand des NUV, der dazu laut nnz-Bericht vom 4. Februar den Präsidenten der Fachhochschule, Prof. Jörg Wagner, eingeladen hatte. Mit dem man viele wichtige Projekte der Region erörterte. Zu der auch die Weiterentwicklung und stärkere Positionierung des NUV gehörte. Es kann nicht weiter verwundern, dass dabei auch die Vorstellung einer einheitlichen Wirtschaftsförderung der beiden Gebietskörperschaften (Stadt und Landkreis) zur Sprache kam, für die sich ja sowohl der NUV, als auch der FH-Präsident stark macht. Nachdem er inzwischen auch dem Lenkungsausschuss des Regionalbudgets – früher Regionalmanagements – angehört, weiß er um deren Erkenntnisse und Strategie, nämlich
Wir...
... übernehmen die Rolle des Initiators, Moderators und Koordinators der regionalen Entwicklung.
... fördern die regionale Identität und Bewusstsein der hiesigen Bevölkerung.
... stoßen innovative Projekte in den Schwerpunktbereichen Technologie, Infrastruktur, Tourismus, Regionalmarketing, Bildung und Wirtschaftsförderung an.
... integrieren fach- und entscheidungskompetente Akteure aus der Region in unsere Initiative, die wesentliche Beiträge in der Projektarbeit leisten können.
Auch der Nordhäuser Unternehmerverband (NUV) bekundet, dass seine Mitglieder in ihrem Werben für die Forcierung der Entwicklung des geplanten Industriegebietes in der Goldenen Aue nicht nachlassen werden. Auch wenn es seitens der Landesentwicklungsgesellschaft und der Kommunen in den zurückliegenden Monaten eher ruhig zu diesem Thema geworden ist, die Unternehmer wollen hier nicht locker lassen.
Zu existenziell sind die Erschließung und Vermarktung dieses Areals für die weitere Entwicklung der Region.
Allen hier genannten Akteuren ist die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region und insbesondere des Industriegebietes Goldene Aue also Anliegen. Es gilt somit zu koordinieren und zu bündeln, um die weiteren Bemühungen um den Wirtschaftsraum am Südharz gemeinsam und forciert weiter zu entwickeln.
Nun hat ja die Stadtratfraktion von Bündnis 90/Grüne im Anschluss an die jüngste Stadtratsitzung ihre strikte Ablehnung einer Erschließung des geplanten Industriegebietes in der Goldenen Aue erneut zum Ausdruck gebracht und aus ihrer Sicht begründet. (siehe Bündnisgrüne Nachlese vom 04.02. in der nnz). Und gerade diese Ablehnung rückt die Tatsache ins Blickfeld, dass es ja nur zwanzig Kilometer östlich – in der Gemarkung Sangerhausen – ein ausgewiesenes Gewerbegebiet gibt, das um einiges größer ist als das Industriegebiet in der Goldenen Aue. Gegen das es keine derart verbissenen und nachhaltigen Widerstände gibt. In der WISO-Sendung vom 11.01.2010 wurde es u. a. erwähnt und seine Aussichten auf Investoren eingeschätzt.
nnz hatte anlässlich des Neujahrsempfangs der Firma Knauf in der Kalkhütte Gelegenheit zu einem Gespräch mit Fritz-Dieter Kupfernagel, dem Oberbürgermeister von Sangerhausen, bei dem auch diese beiden Wirtschaftsgebiete Thema war. Kupfernagel wies dabei auf die Kooperation mit Nordhausen (siehe dazu den nnz-Bericht Gemeinsamkeiten statt Grenzen vom 20.11.09) und die gute Verbindung seiner Stadt zur Fachhochschule hin. Wobei er die bisher geführten Gespräche erwähnte und seiner Hoffnung Ausdruck gab dass man gerade bei dem Gewerbe- bzw. Industriegebieten und deren Vermarktung eine einvernehmliche, beide Seiten nützende Lösung finden werde.
Eine solche angestrebte Lösung war allerdings nach den nnz-Artikeln weder im Sachstandsbericht in der Stadtratsitzung zu hören, noch scheint sie in den Gesprächen des NUV mit dem Präsidenten der Fachhochschule Thema gewesen zu sein. Es sei denn, dass Prof. Wagner in seine Anregung gegenüber den Vorständlern des NUV, die gemeinsame Vermarktung der Region in Thüringen und darüber hinaus weiter zu intensivieren, auch das Gewerbegebiet in Sangerhausen einbezog. Das aber bedürfte der Konkretisierung im Sinne gutnachbarschaftlicher Beziehungen.
Julius Seifert
Kommentare
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09.02.2010, 15.01 Uhr
Friedenstaube | Qualität der Wirtschaftsförderung
Sehr geehrter Herr Seifert,
leider haben Sie recht. Die Qualität der Wirtschaftsförderung hängt wesentlich von den sie betreibenden Akteuren ab. In diesem Sinne scheint wohl auch der Wunsch des FH-Präsidenten und des NUV als vorsichtige Umschreibung einer Forderung nach einer professionellen, praxisnahen und einheitlichen Wirtschaftsförderung gemeint zu sein. Seit 20 Jahren leisten sich sowohl die Stadt als auch der Landkreis jeweils ein Amt für Wirtschaftsförderung.
Leider aber ist Quantität selten auch Qualität. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch unqualifizierte und unsachliche Äußerungen wie in einer der letzten Stadtratssitzung Hamster gehören in den Zoo. Dies lässt weder Kompetenz noch sachliche Lösungsinteressiertheit der sog. Wirtschaftsförderer vermuten. Bleibt zu hoffen, dass der Wunsch des FH-Präsidenten und des NUV in der Stadtverwaltung gehört und vor allem erfüllt wird.
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