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Kommentieren in den Medien

Sonnabend, 30.Januar 2010, 08:39 Uhr
Morgen endet in der nnz eine Umfrage, die Aufschluss darüber geben soll, ob in dieser online-Zeitung unter Angabe des vollen Namens, oder aber anonym bzw. unter einem Nicknamen kommentiert werden soll. Dazu eine persönliche Meinung unter Angabe des vollen Namens.


Man findet in der nnz seit ihrem Bestehen Sachberichte, Kommentare und Betrachtungen unter Angabe des vollen Namen. Man kennt folglich den Berichterstatter oder Autor einer solchen Publikation und kann sich also leicht danach eine Meinung über dessen Sachverstand, Objektivität und Stil machen.

Es gibt daneben seit geraumer Zeit unter dem Begriff Kommentare die Möglichkeit, seine Meinung unter einem Pseudonym zu äußern. Eine Zuordnung einer so geäußerten Meinung zu einer natürlichen Person ist also nicht möglich.

Nun sind unter diesen Meinungsäußerungen nicht selten solche zu finden, in denen unter einem Pseudonym weniger oder überhaupt nicht argumentiert, sondern lediglich unterstellt, verdächtigt und gemutmaßt wird. Von nicht veröffentlichten beleidigenden Äußerungen ganz zu schweigen. Das aber ist doch wohl nicht Sinn eines Kommentars!?

Wenn die nnz in ihrer Umfrage wissen möchte, ob sich Autoren solcher Meinungsäußerungen mit ihren Namen dazu bekennen sollen, ist damit doch wohl auch die Frage nach der Zivilcourage verbunden, deren Mangel heutzutage ganz allgemein beklagt wird. Die Einladung zu anonymen Meinungsäußerungen leistet dem nach meinem Verständnis noch Vorschub.

Und schließlich ist damit für Autoren, für die es selbstverständlich ist, mit ihren Namen zu ihrer Meinung zu stehen, die Überlegung verbunden, warum sie sich solcher anonymen Meinungen aussetzen sollen, die man nicht selten nur als hinterhältig empfinden kann?

So wie in der nnz bieten inzwischen nahezu alle Internet-Zeitungen Kommentierungsmöglichkeiten unter einem Pseudonym. Womit diese Art Umgang miteinander zunehmend eine gesellschaftliche Erscheinung zu werden scheint.
Julius Seifert

Kommentare


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31.01.2010, 13.43 Uhr
Madame-Cherie | Zur Klärung
Sehr geehrter Herr Greiner,

ich möchte nur betonen, dass ich mit meinem Kommentar nicht die NNZ angesprochen habe. Ich bin mir sicher, dass meine Daten hier nicht weitergegeben werden.

Mit freundlichen Grüßen
Madame-Cherie
31.01.2010, 11.47 Uhr
nnz Redaktion | Zur Richtigstellung...
... die Redaktion der nnz hat "keine undichte Stelle", sie wird niemals Klarnamen oder Kontaktadressen nennen. Zum "Fall" der Madame sei gesagt: Hier hilft vielleicht schon die einfache Eingabe des Begriffs bei Google und schon ist man beim Klarnamen. Man sollte also nur so viel von sich preisgeben, wie man verantworten kann.

Allerdings will ich einen (ganz persönlichen) Wunsch nicht verhehlen: Ich würde mich über mehr Klarnamen in den Kommentaren freuen, respektiere jedoch auch die Anonymität, wenn sich das dahinter Qualität in den Aussagen "versteckt".

Fazit: Es bleibt alles beim "Alten"....

Peter-Stefan Greiner (Herausgeber)
31.01.2010, 10.27 Uhr
Ostdeutscher | glaube nicht an Anonymität
Ich glaube nicht an die 100% ige Anonymität.Es gibt überall mal eine "undichte" Stelle die Informationen weiter gibt.
31.01.2010, 00.07 Uhr
Madame-Cherie | Danke an die Redaktion
Ich halte es auch für sinnvoll das Pseudonym beizubehalten. Ich denke, so kann man auch eine unbequeme Meinung äußern, ohne mit Repressalien rechnen zu müssen.

Leider schützt das Pseudonym nicht immer, denn auch ich wurde bereits wegen meiner Beiträge zur Arge eingeladen. Ich frage mich, wie das passieren konnte?
30.01.2010, 17.52 Uhr
nnz tech. Admin | Kommentarfunktion abschalten?
Wir stellen nichts ein und werden auch zu keinem Zeitpunkt Klarnamen veröffentlichen. Vorerst bleibt alles genau so wie es ist.

Wir behalten uns eben nur das Recht vor, Beleidigungen, persönliche Angriffe und »offensichtlichen Schwachsinn« nicht zu veröffentlichen (siehe AGB).

Allerdings werden wir auch weiterhin Äußerungen veröffentlichen, die nicht im geringsten unsere persönliche Meinung widerspiegeln. Das ist dann Meinungsfreiheit.

Manche schreiben wirklich dummes, dummes Zeug. :-)
30.01.2010, 16.53 Uhr
Bibbel | Was wird der nächste Schritt?
Wenn ich das alles so lese, mache ich mir langsam Sorgen, um die Meinungsfreiheit in diesen Land.
Sollte die Betreiber dem Anliegen, die Kommentarfuktion in der jetzigen Form einzustellen folgen, was kommt dann als nächstes.

Vielleicht mag man dann auch keine Leserbriefe mehr oder keine kritischen und politische Artikel. Kommen wir dann zu einer Zeitung nach DDR-Muster, wo der Inhalt von der SED Kreisleitung erst abgesegnet werden musste. Ist es das, was Herrn Bachmann und seine Mitstreiter wollen.

Wie hieß es doch immer,“ jeden seine Meinung, aber die Partei kommt zuerst.“
30.01.2010, 15.22 Uhr
Werner | Kritik nicht willkommen!
Ich muss meinen Vorgängern Recht geben. Ich persönlich schreibe auch unter Nicknamen zumindest teilweise, denn ich benutze nur meinen Vornamen. Ich habe aber auch keine Bedenken unter meinen vollen Namen zu schreiben.

Was Herr Seifert da schreibt, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wer unter Nicknamen schreibt, hat nicht, wie manch einer glauben möchte das Recht, zu beleidigen, sogar falsche Aussagen oder Anschuldigungen zu machen.

Hier gelten immer die Gesetze und wenn sich eine Person, Partei, Institution usw. zu Unrecht angegriffen fühlt, haben sie das unumstrittene Recht, sich dagegen zu wehren. In solch einen Fall macht man dann Anzeige.

Die Polizei wird dann ihre Ermittlungen aufnehmen. Der Verantwortliche der Kommentarfunktion ist angehalten, den wahren Namen und Anschrift des Schreibers heraus zugeben. Natürlich könnte sich hinter den Nicknamen eine falsche Identität verbergen, aber das ist für die Polizei eigentlich kein Thema, bei der heutigen Technik.

Und nun kommen die guten Seiten des Nicknamen, unter diesen Mantel können sich auch Personen äußern, die es sonst nicht können, sei es wegen ihren Arbeitgeber, ihrer politischen Funktionen oder der gleichen. Nur so haben sie die Möglichkeit sich öffentlich zu äußern.

Es ist auch heute leider noch so, dass man sich nicht im jedem Fall frei äußern kann, ohne Gefahr zu laufen gemobbt, gekündigt oder sogar diskriminiert zu werden. Das heißt, wenn man die Kommentarfuktion einstellt, wird solchen Personen die Grundlage genommen, sich zu äußern. Viele werden jetzt sagen, diese Personen können sich auch anders äußern.

Ich frage mich nur, wo bei der Kritikfreundlichkeit vieler Unternehmer, Politiker, Beamten und staatlichen Angestellten, jemand Kritik ohne persönlichen Nachteil äußern kann. Stellen sie sich vor ein Stadtratsmitglied oder Mitglied des Kreistages würde unter seinen Namen etwas kritisieren, was eventuell seiner Partei oder Koalition entgegensteht. Na was würde da wohl geschehen? Ich glaube der Leser ist Realist genug, um sich selber ausmalen zu können was dann geschieht.

Er muss natürlich ehrlich zu sich selber sein und das ist bei einen Politiker zum Beispiel sehr schwierig oder? Und ich glaube genau dieser Personengruppe ist diese Kommentarfunktion ein Dorn im Auge. Hat sich nicht Herr Bachmann schon geäußert, dass diese Funktion abgeschafft werden müsste? Hat er nicht verlangt, dass jeder unter seinen Klarnamen schreiben solle?

Fürchtet die Linkspartei die Kritik oder hat sie was zu verschweigen? Wobei die Linkspartei keine Ausnahme bildet oder? Kann man im Fazit sagen die Politiker, Beamten, Unternehmer und Staatsangestellte scheuen die Kritik, wie der Teufel das Weihwasser?
30.01.2010, 13.49 Uhr
Besorgter Bürger | It's a game!
Warum schreibe ich unter diesem Nickname? Na, klar, weil ich ein Besorgter Bürger bin. Der bin ich in meiner nichtvirtuelle Realität natürlich ebenfalls. Unter Klarnamen, mit dem ich mich auch nicht scheue, in der nnz schreibe. Allerdings nicht als Kommentator.

Die Anonymität, die mir der Kommentar verleiht, ist ein wichtiger Schutz vor all denen, die beim Schreien nach Klarnamen eigentlich nur das Eine wollen - wenn jemand sich nicht in ihrem Interesse äußert, ihn fertig machen. Und sie erlaubt das Spielerische, was ich mittlerweile ganz toll hier finde. Es ist nicht so bierernst.

Die anonymen Kommentare muss eine freie Presse aushalten. Sie gehören zu ihr wie ein Pseudonym zur Schriftstellerei. Wir brauchen sie, damit diese Zeitung es aushält, von ganz Links bis ganz Rechts so ziemlich alles zu veröffentlichen. Warum auch nicht? Dem Julius widerspreche ich da. Auch der ganze Quark, den ich hier finde, gehört zur freien Meinungsäußerung, wie die Klopperei darüber.

Besser verbal sich geschlagen als auf der Straße. Und, liebe Redaktion der nnz, es gibt allgemeine Gesetze, die jeder einhalten muss und Regeln, die ihr selber für die Kommentare aufgestellt habt. Eure Aufgabe ist es da schon, für deren Einhaltung zu achten. Was ihr ja auch macht. Also, wo ist eigentlich das Problem?

Wollen wir uns nun ein selbstbestimmtes Bild machen oder nicht? Wollen wir streiten oder nicht? Den Anhängern der Klarnamen im Kommentar geht es um Zensur, das sage ich ganz deutlich. Und Zensur will ich nicht. Weil ich ein Besorgter Bürger bin, deshalb.
30.01.2010, 13.43 Uhr
bseplus | Nickname: ja - dahinter verstecken: nein
Im Internet nutze ich schon seit dem Jahr 2000 meinen Nick BSEplus. Dass sich dahinter Dirk Daniel "versteckt", ist dem Leser dieser Zeitung sicher schon aufgefallen. Warum also trotzdem weiterhin der Nick und nicht der "reale" Name"? Nun, weil BSEplus für mich und viele andere Menschen zu einem gewissen Synonym geworden ist.

Ich würde ihn hier auch gern weiterhin nutzen, hätte aber auch gegen den "realen" Namen nichts einzuwenden. Was ich zu sagen habe, zu dem stehe ich halt auch.
30.01.2010, 12.30 Uhr
-Outsider- | Die nnz sollte „grundgesetzverseucht“ bleiben!
Zunächst bedanke ich mich bei Herrn Greiner und Herrn Seifert für die Thematisierung einer Frage, die sicher von vielen nnz-Lesern sehr kontrovers beantwortet wird. Es ist ein offenes Geheimnis, dass es (nicht nur) im Landkreis Nordhausen Bürger gibt, die am liebsten anderen Mitbürgern das Grundrecht der freien Meinungsäußerung – das sie für sich als selbstverständlich erachten – verbieten würden, wenn sie (noch) die Macht dazu hätten.

Erinnern sie sich noch an den Ausdruck „schief diskutieren“? Oder an die Reaktion des „Blockwarts“ (Schriftführer des DDR-Hausbuchs), wenn man nicht zur „Wahl“ ging oder gar offen die Kandidaten der SED durchstrich? Wer nach 1985 geboren ist, kann das Lebensgefühl des „gelernten DDR-Bürgers“ kaum noch nachempfinden. Wer immer alles nachplapperte, was die „Avantgarde der Arbeiterklasse“ von oben herab verkündete, hatte freilich nichts zu fürchten. In den 80er Jahren organisierten sich dann immer mehr Kritiker des Blockwart-Systems und bereiteten 1989/90 der geistigen Inzucht mit viel Glück ein schnelles Ende.

Heute herrscht eine andere „geistige Inzucht“. Sie äußert sich unter anderem darin, dass sogar Kritiker der Verhältnisse gedankenlos die Begriffe „Arbeitnehmer“ und „Arbeitgeber“ benutzen. So schlimm der „Raubtierkapitalismus“ (Helmut Schmidt) heute auch wütet, wir haben den Artikel 5 des Grundgesetzes:

Artikel 5 GG [Meinungs-, Informations-, Pressefreiheit; Kunst und Wissenschaft]

1. Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

2. Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

3. Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Doch schon die Absätze 2 und 3 machen – schön schwammig formuliert – Einschränkungen. Die Praxis ist allerdings weitaus schlimmer: Wie lautete das „Unwort des Jahres“ 2009? „betriebsratsverseucht“! (Hoffentlich kommt nicht mal eine Zeit, in der man Leute wie mich als „grundgesetzverseucht“ bezeichnet?)

Wer heute das Recht der freien Meinungsäußerung in Anspruch nimmt, lebt durchaus nicht ungefährlich. Zumindest muss er mit beträchtlichen – auch geldwerten – Nachteilen rechnen. Die Verkäuferin einer bekannten Drogeriemarktkette wird sich wahrscheinlich sehr schnell bei der Agentur wiederfinden, wenn sie sich kritisch zu ihren „Arbeitnehmer“-Rechten äußert. (Wie steht es eigentlich um die diesbezüglichen Rechte der Lift-, Horizont- oder Arge-Mitarbeiter?)

„Grundgesetzverseucht“ zu sein, ist schon wesentlich ungefährlicher, wenn man sich nicht öffentlich „outen“ muss und sich z.B. als „Outsider“ ANONYM über Missstände in Firmen, Behörden, Ämtern aber auch in politischen Parteien äußern kann. Freilich sollte man dabei an seine hoffentlich „gute Kinderstube“ und vor allem an das Strafgesetzbuch denken – auch wenn es angesichts der oft perversen Ungerechtigkeiten schwer fällt! (Ich selbst äußere mich übrigens so, dass ich dafür auch stets mit meinem Realnamen einstehen könnte.)

Deshalb plädiere ich eindeutig FÜR die weitere Zulassung von „Nicknamen“ für Kommentatoren. Auch die Herausgeber von Medien sollten aus folgendem Grund dafür sein:

Weltweit klagen auch die großen Medienkonzerne darüber, dass sie sich wegen der kostenlosen Informationen durch das Internet die Bezahlung investigativer Journalisten kaum noch leisten könnten. Der Investigative Journalismus der großen Zeitungsverlage wird allerdings mit der Verbreitung der Internetnutzung immer mehr durch den „Graswurzeljournalismus“ (siehe auch Wikipedia!) ersetzt. Suchmaschinen, die nicht unbedingt „Google“ sein müssen, tragen kräftig dazu bei. Wenn ich also z.B. nach Informationen zu einer bestimmten Person suche, bekomme ich sie, selbst wenn sie von „Google“ gelöscht wurden, unter Umständen immer noch über die „Metacrawler“.

Wer die „bösen Petzer“ und „Whistleblower“ mundtot machen oder „entlarven“ will, der muss entweder wie in Nordkorea das Internet für Normalbürger verbieten, es wie in China zensieren oder die Partei von „Zensursula“ wählen. (Dass alle übrigen Bundestagsparteien Meinungen, die ihnen unangenehm sind, am liebsten auch gern unterdrücken würden, fällt unter „Allzumenschliches“ oder ist gewissen Parteitraditionen geschuldet.)

Also, Herr Greiner, lassen Sie sich von Frau „A“, Herrn „B“, von Amtsleiter „C“ und von den Geschäftsführern „X“, „Y“ oder „Z“ nicht aus der Ruhe bringen oder gar erpressen! Lassen Sie den „Whistleblowern“ die Option anonym zu bleiben!
30.01.2010, 10.29 Uhr
Luntemann | Künstlernamen und Sonsitiges
Allen ein böswilliges Treiben zu unterstellen, die sich einen Nicknamen zulegen ist schon böswillig.

Es gibt so viele Autoren von Zeitschriften und Büchern die unter einem Pseudonym bzw. Künstlernamen schreiben und sich dadurch unerkannt richtig auslassen können, ohne dass Sie am nächsten Tag ihren Fans gleich stundenlang die Hand drücken müssen.

Große Internetplattformen zum Versteigern, Kaufen Schwatzen u.s.w. bieten Ihren Dienst mit Nicknamen an. Nur wer will kann sich auch mit seinem richtigen Namen anmelden.

Natürlich gilt für Alle, Beleidigungen unter der Gürtellinie sind nicht zulässig. Aber sei´n Sie doch mal ehrlich Herr Seifert, es ist doch schon aufregend, wenn Sie eine Meinung lesen die Ihnen nicht passt und können denjenigen dann noch nicht mal auf der Straße dingfest machen.
MfG Gerd Lunter

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